Die goldene Feder oder wenn ich fliegen könnte

Schon beinahe eine Adventsgeschichte

Von Gianna Caluori, 5. Klasse

Eines Abends lag ich im Bett und dachte: „Wenn ich doch nur fliegen könnte!“

Ich muss wohl eingeschlafen sein, denn ich war sehr müde. Als ich erwachte, schwebte ich durch die Luft, ich schwebte und schwebte. Doch warum nur? Hmm…

Ich schaute mich um, doch ich fand nichts, keinen Hinweis, keine Flügel und auch keine Federn irgendwo an meinem Körper. Das konnte nur ein verdammt guter Traum sein. Aber warum kam mir alles so wirklich vor? Ich schwebte weiter. Oh, meine Eltern. Ich rief ihnen „hallo“ zu und winkte wie wild, doch sie hörten mich nicht. Hmm… komisch? Ich schwebte zu ihnen hinunter und kam mir wie Luft vor. Jetzt stand ich direkt vor ihnen, doch sie sahen mich nicht. Ich hatte keine andere Möglichkeit und schwebte davon.

In weiter Entfernung sah ich die Sonne aufgehen. „Ob sie mich vielleicht aufklären kann?“ Also schwebte ich ihr entgegen. „Hallo Sonne, ich bins. Hättest du kurz Zeit für mich?“ „Ja, aber sprich schnell, ich werde bald gehen müssen, denn mich erwarten noch andere Orte.“ Ich antwortete mit: „Ok, also ich möchte genau wissen, warum ich durch die Luft schwebe und warum mich kein Mensch sehen oder hören kann?“ Die Sonne sah mich fragend an. „Ich verstehe nicht genau worauf du hinaus willst? Aber ich kenne da so manche Wesen, die dir helfen werden. Schwebe den Zugvögeln nach, die über das Grabmal deines Onkels fliegen. Sie werden dich an dein Ziel bringen. Du musst jetzt los, denn in kurzer Zeit wirst du erwartet.“

Ich befolgte den Rat der Sonne. Ich wartete nicht sehr lange beim Grabmal meines Onkels, denn schon bald trafen meine „Wegweiser“ ein. Ich versperrte ihnen den Weg. Sie wurden sehr wütend und fragten genervt: „Was hast du hier verloren? Geh uns sofort aus dem Weg, aber schnell!“ Ich erklärte ihnen meine Situation und alles, was ich bis jetzt wusste. Die Zugvögel verziehen mir, und wir machten uns gemeinsam auf den Weg. Auf dem Weg fragte ich sie, ob die Reise wohl etwas mit meinem Onkel zu tun hat. Die Vögel erzählten mir, dass sie meinen Onkel sehr gut kannten und dass er auch schon in dieser Situation steckte. Komisch, dachte ich mir. Der älteste Vogel der Truppe brach das lange Schweigen indem er sagte: „Noch wenige Meter und wir haben den Zielort erreicht.“

„Puh, das war aber eine anstrengende Reise“, sagte ich freundlich. Die Truppe nickte still. Als wir unser Ziel erreichten, versammelten wir uns stumm vor einer Höhle. Der Anführer ergriff das Wort. „Unsere Reise geht weiter nach Süden und deine Reise wirst du von hier  aus alleine weiterführen müssen.“ Ich fragte ängstlich: „Ich muss jetzt aber nicht in diese finstere Höhle hinein?“ Der Vogel antwortete: „Dir wird nichts passieren, solange du diese Kette bei dir  trägst.“ Er überreichte mir eine goldene Feder, die an einem silbernen Faden hing. Ich nahm sie vorsichtig in meine Hände und zog sie mir über den Kopf, so dass ich sie jetzt am Hals trug. Als ich die Kette bewunderte, sagte der Vogel: „Dein Ziel wird hinter diesem Berg sein. Du musst also durch die Höhle gehen und zuletzt aus dem strahlend blauen Fluss trinken.“ Ich verabschiedete mich mit einem kurzen „Danke“ und drehte mich der Höhle zu. „Oh, also mir kann nichts passieren“, redete ich mir immer wieder ein. Ich war schon ziemlich weit gelaufen, denn als ich mich umdrehte sah ich den Eingang nur noch als kleinen hellen Punkt. Ich drehte mich in Richtung Berginneres und erstarrte vor Schreck. Vor mir stand ein riesiges grünes Ungetüm. Es schaute mich verwundert an und kam mir immer näher. Das Ungetüm beugte sich vor und schaute mir jetzt direkt in meine Augen. Ich konnte seinen warmen Atem riechen, so dass mir die Haare zu Berge standen. Und plötzlich fing es an zu sprechen: „Oh, wie nett! Ich bekomme sonst nie Besuch. Wer bist du eigentlich und was zum Teufel hast du hier verloren?“ Ich sagte mit zittriger Stimme: „Hi, ich suche hier den Ausgang, könntest du mir bitte helfen?“  „Aber klar doch, folge mir einfach.“ Puh, mir viel ein Stein vom Herzen als es das sagte. „Übrigens, ich bin Merkastanio und bin 1250 Jahre alt“, sagte das Ungetüm. Nach nicht allzu langer Zeit haben wir den Ausgang erreicht. Ich schrie erleichtert auf und bedankte mich mehre Male für seine tolle Hilfe. Wir verabschiedeten uns und ich machte mich auf den Weg zum Fluss. Auf dem Weg liess ich mir die Worte vom weisen Vogel noch einmal durch den Kopf gehen: „Also, ich muss nur aus dem Fluss trinken.“ Als ich beim Fluss ankam atmete ich zweimal tief durch. Ich  beugte mich vor und fing an zu trinken. Als ich fertig war, hörte ich eine helle Stimme zu mir sagen: „Ich hoffe, dieses Abendteuer hat dir gefallen? Ich habe dir diese Reise geschenkt, weil du dafür auserwählt warst. Du wirst genau wie dein Onkel die Fähigkeit besitzen, nach deinem Tode fliegen zu können, frei wie ein Vogel.“ Kaum sagte die Stimme das Wort Vogel, lag ich in meinem Bett und wusste nicht mehr was oben und unten war. Ich hörte meine Mutter rufen: „Komm endlich, es gibt Frühstück!“ Ich schaute auf den Wecker und erschrak. „Es ist ja schon viertel vor Acht, und um acht Uhr beginnt die Schule.“ Ich zog mir meine Jeans und ein altes T-shirt an und rannte die Holztreppe  hinunter. Beim Frühstück bemerkte meine Mutter etwas Glänzendes an meinem Hals. Sie beugte sich vor, um es sich anzuschauen. Als sie mich darauf aufmerksam machte, erkannte ich eine goldene Feder! Nein, nein, nicht irgend eine goldene  Feder, nein, es war die GOLDENE FEDER. Wie vom Blitz getroffen kamen mir auf einen Schlag wieder alle Erinnerungen zurück.

16 Kommentare zu „Die goldene Feder oder wenn ich fliegen könnte“

  • Julia:

    Hallo Gianna
    i gratuliara dia ganz härzlich zu diner Gschicht!!!
    i will übrigens au afo Büachen schrieba, so zäga will i au Autorin warda und han bereits afo schrieba.
    Mis Buach heist übrigens: Ein buntes Folk.

    Liabi Grüassli

    Julia

  • Simona:

    Hoi Gianna
    Dini Gschicht isch mega cool!!!
    Du muasch unbedingt witer Gschichta schriiba!!
    GLG Simona

  • Renate:

    Hi Gianna!

    Beim Lesen Deiner bezaubernden Geschichte, ist mir wieder in den Sinn gekommen, dass ich als Kind in meinen Träumen auch viel geflogen bin. Leider habe ich nie eine goldene Feder bekommen…

    Danke für diese Erinnerung und viele liebe Grüsse aus dem fernen Australien, in das ich ganz unspektakulär mit dem Flugzeug gekommen bin.
    Renate

  • Andre Caluori:

    Hoi Gianna,
    Super schoene Geschichte und wunderschoen geschrieben. Bitte schreib weiter, du hast riesen Talent dazu!
    Andre, Brisbane

  • Laura:

    Huara cooli gschicht Gianna!würd mi freua wenn no a Gschicht schriebsch!Du wirsch sicher no a Autorin….. D Laura

  • Sandra:

    Ciao Gianna
    Ich habe mit Mauro deine tolle Geschichte gelesen! Mauro war ganz paff..so eine coole Geschichte habe ich noch nie geschrieben,vorallem so eine lange! Meinte er..
    Du kannst stolz auf dich sein, so eine Begabung zu haben!
    Mach weiter so, dann wirst du sicher einmal eine Berühmte Schriftstellerin 🙂

    Gruss sandra&mauro

  • Oliver Kehl:

    Liebe Gianna, willkommen im Club der Autoren. Genau so wie Du jetzt, habe ich vor 30 Jahren begonnen, Gechichten und Gedichte zu schreiben, die ich dann Deinen Eltern vorgetragen habe. Dass daraus einmal eine Journalistenkarriere resultieren würde, wagte ich nicht zu hoffen. Doch wenn man immer weiter schreibt, mit seinen Worten die Herzen der Menschen berührt und ihnen vielleicht sogar ein Lächeln auf die Lippen zaubert, kann alles geschehen. Bitte schreib weiter, liebe Gianna. Ich freue mich schon jetzt auf Deine nächste Kurzgeschichte.

    Liebe Grüsse, Oliver

  • Hallo Gianna
    Isch guat kho, dini Gschicht.
    Mach witer so au in dr Schual, dänn kriagsch sicher guati Nota. 🙂
    Liabi Grüassli
    dini Sarah

  • Lorena [dini ABF]:

    Heei Gianna!
    Dini Gschicht isch voll cool und spannend hoch 10.
    I finds mega cool das du so viel Fantasie hesch und i hoffa das i irgendaswenn as Buch fu diar in da Händ heba döff!!!
    Liabi Grüassli LoLo

  • Silvia & Lara::

    Das hesch du uh guat kmacht, Gianna! Miar gratuliarend 🙂 Liabi Grüassli

  • Silvia:

    Hallo liebe Gianna
    Ich habe soeben deine tolle Geschichte gelesen. Bravo!! Eine super coole Geschichte mit viel Phantasie.Du musst unbedingt weiterschreiben,ich bin jetzt schon gespannt was als Nächstes kommt….
    Deine Nachbarin Silvia :))

  • Beatrice Züger:

    Hallo Gianna

    Wirkli ganz a lässigi Gschicht hesch du gschrieba. So flüga wäri scho emol super, eifach wia en Vogel über d Erda schweba….
    Mach witer eso, herzlichi Gratulation!

    ganz liabi Grüass us Tamins vu da Zügers

  • Samuel:

    Ehila Gianna
    Zwägi Gschicht. Voller Fantasie, Abenteuer und Geheimnisse. Hat sehr Spass gemacht die Story zu lesen. Ich fühlte mich direkt in Deine Welt hineinversetzt. Super geschrieben! Auguri!!!
    Liaba Gruass, Sam

  • Régine Caluori:

    Super gemacht Gianna!
    Deine Geschichte finde ich ganz toll.
    Sie gefällt mir sehr.
    Ich wünsche dir weiterhin viel Phantasie und viel Spass beim Geschichtenschreiben.
    Vielleicht wirst du ja einmal eine richtige Autorin.

    Liebe Grüsse

    Gotti Régine

  • d biene maya:

    Liabi Gianna

    Hey i han dini Fäder-Gschicht glesa. Du bisch jo a richtigi Schriftsstelleri! Bin mächtig stolz uf Di! Du häsch würklich uu Talent!
    Uuu schön dörfi Di kenna!

    A Biene-Maya-Drugger vu miar us Chur

  • Herzliche Gratulation Gianna! Eine wirklich spezielle, wunderschöne Geschichte! Mach weiter so!

    Liebe Grüsse

    Jolanda

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